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Nachtrag I zum E-Postbrief

:: IT

Ein Nachtrag zu meinem Eintrag über den E-Postbrief. Da überall von “qualifizierter elektronischer Signatur” die Rede ist, möchte ich gern auf Folgendes hinweisen: Lässt sich der Benutzer ein Zertifikat zum zusätzlichen Verschlüsseln und Signieren erzeugen, so darf man sich ob der Güte dieses Schlüssels nicht täuschen. Es handelt sich dann nämlich nicht um eine qualifizierte elektronische Signatur nach Signaturgesetz. So leicht erlesbar aus der Leistungsbeschreibung E-Postbrief; dort heißt es unter den “Zusatzleistungen”:

"Persönlich signiert: Der Absender signiert die Nachricht zusätzlich mit seinem privaten Schlüssel. Da der private Schlüssel eine eindeutige Zuordnung zu einem Nutzer ermöglicht, erhöht dies den Grad der Authentifizierung.

Die eingesetzten Verschlüsselungsverfahren erfüllen allerdings nicht die Voraussetzungen einer qualifizierten elektronischen Signatur nach dem Signaturgesetz (SigG), so dass gesetzlich vorgesehene Schriftformerfordernisse nicht erfüllt werden."

Schade, so hat die Post noch eine Möglichkeit mit ihrem Produkt zu punkten verpasst und lässt den Ball ins Seitenaus rollen.

Der E-Postbrief, ein Selbstversuch

:: IT

So, da kam er also mit viel Marketingaufwand: Der E-Postbrief der Deutschen Post. Wohl mit Absicht etwas vor der Einführung der DE-Mail, einer Initiative der Bundesregierung. Nachdem dann auch ein Werbeflatterer in meinem (normalen) Briefkasten gelandet ist, habe ich mir einen Selbstversuch gegönnt und die neue Plattform testen wollen. (Erinnern Sie sich übrigens daran, dass die Post, ich glaube sogar auch unter der URL epost.de schon vor Jahren jedem Bundesbürger eine lebenslang gültige E-Mail-Adresse versprochen hat? Nach einigen Jahren starb dieses E-Mail-Portal-Projekt. Werden schon Wetten auf das Ende des E-Postbriefs angenommen?)

Die Behauptung der Post, mit der E-Mail käme nun eine besondere Form von Rechtssicherheit in das Internet, mag man dem Werbe-Tamtam anlasten. Mir wäre nämlich nicht bekannt, dass E-Mails, in denen man etwas bestellt oder mit denen man Verträge gestaltet, nicht rechtsicher wären. Okay, zugegeben, das Protokoll zum Transport von E-Mails hat Probleme (insb. hinsichtlich der Identifizierung des Absenders). Aber grundsätzlich werden ständig und in großer Zahl Verträge per E-Mail geschlossen, verändert und auch E-Mails als Beweisstücke vor Gericht vorgelegt und anerkannt.

Was mir auch nicht so ganz klar ist: Wenn E-Mail-Adressen der Art Hans.Mustermann1.23 und Hans.Mustermann.4 vergeben werden, dann weiß ich zwar beim E-Postbrief, dass sich hinter jeder Adresse sicher ein Hans Mustermann verbirgt. Aber ob es derjenige Hans Mustermann ist, mit dem ich einen Vertrag abschließen will, ist mir aus der Adresse nicht erkennbar. Schlicht, solange ich nur die E-Mail-Adresse habe, sind Verwechslungen nicht ausgeschlossen. Das Durchnummerieren ist nur bedingt schön für den Anwender.

In der Folge nun einige Erlebnisse. Auf die weiteren konzeptionellen Probleme (siehe den Eintrag bei Heise.DE bzw. den Telepolis-Artikel) will ich gar nicht eingehen, sondern erst einmal das Gefühl des Benutzers in den Vordergrund stellen:

Nach dem Anmelde-Vorgang, den ich nicht sonderlich komplex fand, erhielt ich irgendwann eine SMS, dass mein Postfach freigeschaltet sei. Also gleich einmal angemeldet und alle möglich Funktionen ausprobiert.

Trotz der Kritik am vielgescholtene Adressverzeichnis (da nimmt sich wohl die Post den Adressverkauf heraus) wollte ich dies testen und melde mich mit ein paar Zusatzinformationen an. Anschließend wollte ich prüfen, wie denn der Eintrag so aussieht, wenn man sich selbst aufruft. Aber, ich finde mich gar nicht im Verzeichnis. Also habe ich diese Einstellung wieder deaktiviert.

Völlig kryptisch ist das Verfahren, “normale” E-Mails zu senden. Man muss dazu nämlich ein normales E-Mail-Konto bei einem anderen Provider “einbinden”. Kein Problem, denke ich mir, lege eines bei meinem Provider an, binde es ein und alles scheint zu funktionieren. Allein, die E-Post-Adresse taugt gar nicht zum E-Mail-Empfang. Man erhält nur Fehlermeldung erfolgloser Zustellungen. Und wenn man umgekehrt eine E-Mail aus dem E-Postbrief-Portal senden will, wird die Domain dp-mail.de als Absende-Domain angehängt. Eine solche E-Mail wird auch zugestellt (wobei nicht immer, auf die Zustellung einer E-Mail warte ich nocht), jedoch kann man darauf als Empfänger nicht mehr antworten, da auch die Antwort-E-Mail wieder wegen erfolgloser Zustellung irgendwo im gelben Konzern ihre Runden dreht. Dieses E-Mail-Einbinden funktioniert meines Erachtens gar nicht.

Freudig habe ich zur Kenntnis genommen, dass man auch Faxe empfangen und senden kann. Nach einem Klick wurde mir eine Fax-Nummer zugeteilt. Also schnell ein Testfax handschriftlich gekritzelt, zum Papierfax gerannt und losgefaxt. Ich habe ein Übertragungsprotokoll mit der Aufrschrift “Übertragung Ok”, aber selbst nach nun drei Tagen ist im E-Postbrief-Eingang kein Telefax eingegangen. Auch diese Funktion scheint kaputt zu sein. Den Versand aus dem E-Postbrief-Portal habe ich mir dann geschenkt.

Da ich noch niemanden kenne, der auch ein solches E-Postbrief-Konto hat, habe ich den Versuch gemacht und an meine Postanschrift einen E-Postbrief mit normaler Zustellung schreiben wollen. Beim ersten Versuch wollte das Anhängen eines Anhangs (siehe dazu auch noch unten eine generelle Anmerkung zu Fehlern) nicht klappen und eine Fehlerseite erschien. Erfreulicherweise wurde der bisher getippte Text als “Entwurf” gespeichert. Jedoch war es mir nicht möglich, diesen Entwurf weiter zu bearbeiten, ich konnte ihn mir nur anzeigen lassen, eine “Entwurf weiter bearbeiten”-Funktion war nicht auszumachen. Was also diese Entwürfe sollen, bleibt das Geheimnis des gelben Riesen. Nachdem ich nun einen neuen Brief erstellt und losgeschicken wollte, das nächste Ärgernis: Das Guthabenkonto für das Porto kann man nur in ganzen Euro-Beträgen aufladen. Das erscheint technisch völlig anachronistisch. Von der Kundenfreundlichkeit her ist das schlicht unverschämt. Aber um des Fortschritts willen investiere ich einen Euro und kann anschließend meinen ersten E-Postbrief (Anschreiben plus ein PDF mit zwei Seiten als Anhang) versenden. In der Tat, am kommenden Tag lag ein fein kuvertierter Brief in meinem Briefkasten. Einzig das PDF war etwas grieselig, aber da wird man mit Standardschriften und ähnlichem sicherlich optimieren können. Diese Funktion ist wirklich praktisch, da man sich das ausdrucken, kuvertieren und frankieren sparen und alles bequem via Web-Portal erledigen kann.

Empfangen habe ich noch nichts: E-Mails wollte das Portal nicht empfangen und Telefaxe auch nicht. Nun ja, vielleicht sendet mir ja irgendwann mal jemand einen E-Postbrief. Ich habe mir auch eine SMS-Benachrichtigung eingerichtet, befürchte aber, dass diese wie so vieles anderes auch nicht funktioniern wird.

Abschließend noch ein riesiges Ärgernis: Ständig erscheinen völlig unvermittelt (bspw. beim Absenden von E-Mails, beim Anhängen von PDS an einen E-Postbrief) Fehlerseiten der Art “Bitte entschuldigen Sie”. Angegeben jeweils völlig kryptische Fehlercodes. Da fragt man sich nach wenigen Minuten, ob dies Produkt wirklich so sicher und so toll ist, wie der Anbieter werbewirksam behauptet.

Einschränkend will ich sagen, dass ich vielleicht die Bedienung nicht ganz verstanden habe; aber Hilfe-Seiten oder passende Dokumentation habe ich nicht finden können, die mir aus den oben beschriebenen Fallstricken geholfen hätte.

Zusammenfassend: Man wird wohl einfach einmal abwarten können, ob sich der E-Postbrief oder DE-Mail durchsetzt; auch die Preise werden sicherlich noch ein wenig Bewegung erfahren. Ob die Regelungen aus den AGBen so Bestand haben werden, ist auch fraglich. Was jedoch klar ist: So wie derzeit ausgeliefert, macht das E-Postbrief-System den Eindruck als sei es ein halbes Jahr zu früh in Echtbetrieb gegangen und als habe man die Testphase gleich an die Benutzer delegiert. Ich kann von der Benutzung derzeit nur abraten. Folglich werde ich auch nicht verraten, unter welcher Name- und Nummernkombination ich @epost.de zu erreichen bin.

Nachtrag: Nun ist doch endlich eine E-Mail an die @dp-mail.de-Adresse angekommen.

2010–08–04 Mi Nachtrag 2: Zufällig entdeckte ich in der aktuellen Ausgabe der Wirtschaftswoche eine ähnliche Schilderung von Pannen, der Artikel ist auch online verfügbar.

Verrechnen leicht gemacht

:: Statistik, IT

Folgende Ereignisse finde ich ja sehr erhellend: Telepolis berichtete von einer Studie (Pollet und Nettle, 2009), in der anhand von Daten aus dem “Chinese Health and Family Life Survey” der Schluss gezogen wurde, dass die Zahl der Orgasmen einer Frau mit dem Einkommen des Partners ansteige:

“In a large representative sample of the Chinese population, we found evidence that women’s self-reported orgasm frequency increases with the income of their partner.” (Pollet und Nettle, 2009, S. 149)

Etwas später berichtete Telepolis, dass dem wohl doch nicht so sei. Was war passiert? Die Forscher Esther Herberich und Torsten Hothorn haben die Analysen mit den frei verfügbaren Daten nachgerechnet und erhielten andere Ergebnisse (Herberich et al., 2010). Ursache war, dass der in der von Pollet und Nettle (2009) verwendeten Software (SPSS 15.0) der Algorithmus zur Auswahl des besten Modells (verwendet wurde ein ordinal regression model) einen Fehler aufwies: Die Kriterien zur Modellauswahl (Akaike Information Criteion (AIC) und Bayesian Information Criterion (BIC)) wurden in der Standardeinstellung der Modellauswahl falsch berechnet, so dass die Kriterien eigentlich nicht verglichen werden konnten. In der Folge kam es zu einer verkehrten Modellauswahl für das beste Modell. Herberich et al. berechneten die Analysen mit R neu und kamen zu anderen Ergebnissen: So konnte das Modell durch die Aufnahme weiterer Variablen verbessert werden; und zwar derart, dass der Einfluss des Einkommens letztendlich nicht mehr signifikant war. In der Korrektur ihres Beitrages fassen Pollet und Nettle (2010) dies wie folgt zusammen:

The association in the CHFLS (Chinese Health and Family Life Survey, D.B.) data between partner wealth and self-reported orgasm frequency ist best explained by the fact that women with higher-income partners are healthier, happier, younger, and more educated than women with lower-income partners. The data do not support a direct effect of partner income on self-reported orgasm frequency, once other variables have been controlled for." (Pollet und Nettle, 2010, S. 149)

Zusammengefasst: (1) Erst durch das Bereitstellen der Daten konnte ein anderes Forscherteam die Anwendung der Methode prüfen und stieß auf die oben skizzierten Merkwürdigkeiten. Somit war es möglich, nach den Ursachen für die falsche Modellauswahl zu suchen. (2) Es zeigt sich, dass eine geschlossene, proprietäre Implementierung so ihre Tücken hat; wenn eine Gemeinschaft gegenseitig Kontrolle über Implementierungen von Modellen übt und sie verbessert, kann auch hier wieder ein System der gegenseitige Kontrolle wirksam werden, was zu einer höheren Qualität führen kann.

Literatur:

  • Pollet, T. und Nettle, D. (2009), Partner Wealth predicts self-reported orgasm frequency in a sample of Chinese women, Evolution and Human Behavior, Volume 30, S. 146–151.
  • Herberich, E., Hothorn, T., Nettle, D. und Pollet, T. (2010), A re-evalutation of the statistical model in Pollet and Nettle 2009, Evolution and Human Behavior, Volume 31, S. 150–151 (sowie der Online Appendix).
  • Pollet, T. und Nettle, D. (2010), Correction to Pollet and Nettle (2009): “Partner wealth predicts self-reported orgasm frequency in a sample of Chinese women”, Evolution and Human Behavior, Volume 31, S. 149.

Kuler, eine Web-Anwendung zum Farben abmischen von Adobe

:: IT

Im Blog von Garr Reynolds fand ich vor kurzem einen netten Hinweis auf eine Web-Anwendung: Für mich als im Bereich Grafik, Farben etc. wenig Beschlagenen ist es immer schwierig, passende Farbzusammenstellungen zu finden. Mit Kuler von Adobe kann man Farbschemata nach bestimmten Mustern erstellen, verändern und diese auch abspeichern. Man kann für die Farben auch auf eine Bild-Datei zurückgreifen und daraus eine Farbe herauswählen. Dabei werden diese dann in verschiedenen Formaten ausgegeben und man kann sie beispielsweise für eine Webseite weiterverwenden. Das Ganze lässt sich (Achtung, Flash-Anwendung), leicht und bequem bedienen. Eine wirkliche feine und nette Anwendung.

Links:

CeBIT 2010

:: IT, Veranstaltungen

Trotz erneut markigem Auftritt (mit Begriffen wie Webciety oder dem Beschwören von “Lösungen” als Konzept im Gegensatz zu früheren Hardware-Schauen) geriet mein diesjähriger CeBIT-Besuch zur Enttäuschung. Ich stellte fest, dass einige der Unternehmen, die ich besuchen wollte, entweder den Stand massiv reduziert hatten oder schlicht zu Hause geblieben sind. Somit sank die Zahl der “guten Gespräche” auf ein historisches Tief. Darüberhinaus schien es zum Teil so zu sein, als würde die CeBIT auch nur noch als medialer Punkt in der Dramaturgie von Marketing-Spezialisten. Kleine Geschichte am Rande hierzu: Microsoft stellte eine Demo-Version des neuen Mobiltelefonbetriebsystems Microsoft Windows Phone 7 vor; auf die Rückfrage, ob denn die Applikationen auch nur über ein Shop-Konzept wie bei Apple auf das Gerät kommen, wich der Präsentator aus: Man müsse mit der Antwort auf diese Frage doch noch zwei Wochen warten, bis zur nächsten Mix (der Entwickler-Hausmesse von Microsoft).

Nachtrag vom 2010–03–07 So: Eine interessante Diskussion zum Design von Windows Phone 7 findet sich im Forum von Edward Tufte.

Nachtrag vom 2010–03–16 Di: Nun haben wir also fast zwei Wochen gewartet und mit Spannung lüftet Microsoft auf seiner Entwicklerkonferenz Mix das Geheimnis um die ersten Windows-Phone-Anwendungen. Der Heise-Verlag hat hierzu eine Mitteilung verfasst, in der es unter anderem über die neuen Anwendungen für das Windows Phone Betriebsystem heisst:

“Bekommen wird man diese Anwendungen ausschließlich über einen runderneuerten Windows Phone Marketplace, der diverse Vertriebsmodelle unterstützen wird (kostenlos, Freemium, Trial, Bezahlung über Kreditkarte oder Mobilfunkanbieter).”

Damit schwenkt Microsoft für seine mobilen Anwendungen auf Basis von Microsoft Phone auf das Geschäftsmodell von Apple ein.